Leben : Linz (1856 – 1868)

zusammengestellt von Alexandra Jud und Damaris Leimgruber (aus: Hans-Joachim Hinrichsen (Hg.): Bruckner-Handbuch, Stuttgart 2010, S. XIII-XXIII).

1856
■ 25. Januar: Probespiel im Alten Dom, danach definitiver Domorganist.
■ spätestens März: Mitglied der Linzer Liedertafel Frohsinn.
■ 25. April: Anstellungsdekret als Domorganist; 14. Mai: Diensteid.
■ September: Reise mit der Liedertafel Frohsinn zur Mozartfeier in Salzburg; dort lernt Bruckner den Wiener Chordirigenten Rudolf Weinwurm (1835-1911) kennen, der während der ganzen Linzer Zeit sein wichtigster Wiener Kontaktmann wird.
■ 31. Oktober: 2. Archivar der Liedertafel Frohsinn (bis November 1857).

Werke:

■ 24. Juli: Ave Maria (WAB 5); 7. Oktober: Erstaufführung am Rosenkranzfest in St. Florian.


1857
■ wiederholte Beschwerden über den schlechten Zustand beider Linzer Orgeln.
■ November/Dezember: Bruckners Orgelspiel wird in der Linzer Zeitung erwähnt.

Werke:

■ Entstehung des Chores Das edle Herz (WAB 66).
■ Kantate Auf, Brüder! auf zur frohen Feier (WAB 61a, recte b) zum Namensfest des Prälaten Friedrich Mayr von St. Florian.


1858
■ Sommer: einmonatiges intensives Studium bei Sechter in Wien (Harmonielehre, Fuge, Kanon und Kontrapunkt), danach regelmäßig kurze Reisen zu Sechter (bis 1861).
■ 12. Juli: Prüfung im praktischen Orgelspiel in Wien (Piaristenkirche); Zeugnis von Sechter.
■ 2. September: Aufkündigung der aktiven Mitgliedschaft der Liedertafel Frohsinn wegen Heiserkeit.
■ 14. September: Antrag auf Teilung der Organistenstelle und Förderung des Kirchengesangs.

Werke:

■ spätestens 1858: 146. Psalm (WAB 37); möglicherweise gehört WAB 37 aber auch in die späte St. Florianer Zeit.


1859
■ Plan der Gründung einer Linzer Gesang-Akademie mit Engelbert Lanz (später zurückgezogen).
■ 1. Juni: Heimatrecht in Linz.


1860
■ 7. November: Wahl zum 1. Chormeister der Liedertafel Frohsinn.
■ 11. November: Tod der Mutter in Ebelsberg bei Linz.


1861
■ 26. März: letztes Zeugnis von Simon Sechter.
■ 22. Juni: erfolglose Bewerbung um die Direktorenstelle des Salzburger Dom-Musik-Vereins.
■ 29./30. Juni: in Krems beim 1. Deutsch-Österreichischen Sängerfest.
■ 19. bis 24. Juli: beim Großen Deutschen Sängerfest in Nürnberg als Chormeister der Liedertafel Frohsinn.
■ 19. November: Prüfung am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (Kommission: Sechter, Hellmesberger, Herbeck, Dessoff, Becker).
■ 21. November: Orgelprüfung in der Piaristenkirche, Introduktion und Fuge über ein Thema Sechters; 22. November: Zeugnis des Konservatoriums.
■ ab Dezember: Studium beim Linzer Theaterkapellmeister Otto Kitzler (1834-1915): Formenlehre, Instrumentation, Komposition; dabei entsteht das sogenannte Kitzler-Studienbuch (bis Juli 1863).

Werke:

■ 12. Mai: Erstaufführung des Ave Maria (WAB 6) durch die Liedertafel Frohsinn; in den folgenden Jahren viele weitere Aufführungen (ReferenzWerke:
Bruckner verwendet das Ave Maria für das Probedirigat in Salzburg und legt es einigen Bewerbungen bei).


1862
■ September: erste Pläne, sich an die Hofmusikkapelle nach Wien berufen zu lassen.

Werke:

■ 25. April: Festkantate (WAB 16); 1. Mai: Erstaufführung zur Grundsteinlegung des Mariä-Empfängnis-Domes in Linz.
■ Verschiedene Tanzsätze für Klavier (Kitzler-Studienbuch).
■ 7. August: Streichquartett (WAB 111).
■ Instrumentationsstudien bei Kitzler; u. a. Orchesterarrangement des 1. Satzes von Beethovens Grande Sonate pathétique.
■ 12. Oktober: Marsch für Orchester (WAB 96).
■ 16. November: Drei Orchesterstücke (WAB 97).


1863
■ 13. Februar: Linzer Erstaufführung von Richard Wagners Tannhäuser, worauf Bruckner sich durch intensives Partiturstudium vorbereitet; Bruckner studiert mit dem mitwirkenden Frohsinn den Pilgerchor ein.
■ 10. Juli: Abschluss der Studien bei Kitzler mit förmlicher Freisprechung.
■ September/Oktober: beim Musikfest in München; Bruckner legt dem dortigen Hofkapellmeister Franz Lachner seine f-Moll-Sinfonie vor.
■ Studien bei Ignaz Dorn (bis 1865).

Werke:

■ 22. Januar: Ouvertüre (WAB 98).
■ 7. Januar bis 26. Mai: Studiensinfonie f-Moll (WAB 99).
■ 5. Juli: 112. Psalm (WAB 35).
■ Juli: Kompositionsbeginn Germanenzug (WAB 70).
■ um 1863: Zigeuner-Waldlied (WAB 135, verschollen).


1864
■ Ende August: Germanenzug erscheint als erstes gedrucktes Werk (bei Josef Kränzl, Ried).

Werke:

■ Mai oder Juni bis 29. September: d-Moll-Messe (WAB 26); 20. November: Erstaufführung unter Bruckners Leitung im Alten Dom.
■ August: Germanenzug (WAB 70) für den Druck eingerichtet. Die für den 14. August geplante Erstaufführung beim Oberösterreichischen Sängerfest in Linz kam nicht zustande, da das Fest auf 1865 verschoben werden musste.


1865
■ Mai/Juni: Reise nach München zur Erstaufführung von Wagners Tristan und Isolde unter Hans von Bülow; Begegnungen mit Richard Wagner und Hans von Bülow, dem Bruckner seine im Entstehen begriffene Erste Sinfonie zeigt.
■ August: Reise nach Budapest zur Erstaufführung von Franz Liszts Legende von der heiligen Elisabeth.

Werke:

■ Januar: Erste Sinfonie c-Moll (WAB 101) begonnen.
■ 5. Juni: Germanenzug (WAB 70) beim Oberösterreichischen Sängerfest in Linz erstaufgeführt; Bruckner erhält den 2. Preis (hinter der Germania von Rudolf Weinwurm); einige weitere Aufführungen, u. a. zum Abschied von der Liedertafel Frohsinn im Sommer 1868.


1866
■ Maria Anna Bruckner (1836-1870) zieht zu ihrem Bruder, um ihm (bis zu ihrem Tod) den Haushalt zu führen.
■ 16. August: Heiratsantrag an die 20 Jahre jüngere Linzer Fleischhauerstochter Josefine Lang.
■ Dezember: in Wien bei einer Aufführung von Hector Berlioz‘ Fausts Verdammnis.

Werke:

■ 14. April: Erste Sinfonie c-Moll (WAB 101) vollendet (1. Fassung, sogenannte Linzer Fassung).
■ August bis 25. November: e-Moll-Messe (WAB 27) als Auftrag von Bischof Rudigier.


1867
■ 22. März: Bruckner hört in Wien unter dem Dirigat Herbecks erstmals Beethovens Neunte Sinfonie.
■ 8. Mai bis 8. August: Kuraufenthalt in Bad Kreuzen.
■ 10. September: Tod Simon Sechters.
■ 14. Oktober: Gesuch um Aufnahme in die k.k. Hofmusikkapelle; wird 1868 bewilligt.
■ 2. November: erfolgloses Gesuch an den Dekan der philosophischen Fakultät der Universität Wien um Aufnahme als Lehrer für musikalische Komposition.

Werke:

■ 14. September: Beginn der f-Moll-Messe (WAB 28).
■ 10. Februar: Aufführung der d-Moll-Messe (WAB 26) unter Johann Herbeck in der Wiener Hofburgkapelle mit Bruckner an der Orgel.


1868
■ 15. Januar: erneute Wahl zum Chormeister der Liedertafel Frohsinn.
■ 4. April: Gründungsfestkonzert der Liedertafel Frohsinn mit der von Bruckner dirigierten Erstaufführung des Schlusschors aus Richard Wagners Die Meistersinger von Nürnberg.
■ 11. Mai: Ernennung zum Ehrenmitglied des Mozarteum Salzburg.
■ Juni/Juli: in München bei der dritten Aufführung der Meistersinger von Nürnberg unter Hans von Bülow.
■ 6. Juli: Anstellungsdekret als Professor für Harmonielehre, Kontrapunkt und Orgelspiel am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.
■ August/September: erneut Kuraufenthalt in Bad Kreuzen.
■ 4. September: Berufung zum exspectierenden k.k. Hoforganisten in Wien.
■ 29. September: Abschiedssoirée des Frohsinn für Bruckner.

Werke:

■ 31. Januar: Pange lingua et Tantum ergo (WAB 33).
■ 9. Mai: Erstaufführung der Ersten Sinfonie (WAB 101) unter Bruckners Leitung in Linz (Redoutensaal).
■ 9. September: f-Moll-Messe beendet; zahlreiche Überarbeitungen bis 1893.