Projekt

Digitale Musikanalyse mit den Techniken der Music Encoding Initiative (MEI) am Beispiel der Kompositionsstudien Anton Bruckners.

Die Aufgabe dieses interdisziplinären Projekts war die Entwicklung einer automatisierten Analyse harmonischer Strukturen auf Grundlage von XML-codierter Musik am Beispiel des sogenannten Kitzler-Studienbuchs Anton Bruckners. Hier sollte zum ersten Mal die praktische Umsetzung getestet und die Grenzen des Machbaren erschlossen werden. Neben computerbasierten Methoden und Werkzeugen zur Harmonieanalyse wurden neuartige Visualisierungskonzepte entwickelt, die es erlauben, große Musikdatenbestände hinsichtlich harmonischer Strukturen und Varianten auf interaktive Weise zu durchsuchen, zu analysieren und die Ergebnisse am Computerbildschirm darzustellen.

Als Datengrundlage wurde das Kitzler-Studienbuch in zeitgemäßer Weise digital erschlossen. Dazu wurden sämtliche Inhalte in das Codierungsformat der Music Encoding Initiative (MEI) transkribiert und auf Taktebene mit den bereits vorhandenen Digitalisaten der Handschrift verknüpft. Die Analyse der Musik erfolgte nicht auf Grundlage von Audiodateien (digital konservierter Livemusik), sondern von in MEI codierter „verschriftlichter“ Musik (Musiknotation). Das Kitzler-Studienbuch eignet sich hierfür in besonderer Weise, da es zahlreiche harmonische Studien enthält, die weitgehend ohne größeren musikalischen Rahmen eine Vielzahl an harmonischen Entwicklungen abdecken und so eine beachtliche inhaltliche Bandbreite zur Verfügung stellen kann.

Die Möglichkeit der automatisierten Auswertung umfassender Musikkorpora kann zu einem Paradigmenwechsel innerhalb der Historischen Musikwissenschaft führen: Bisherige Methoden würden nicht überflüssig, könnten aber aufgrund des objektiv vorgegebenen Befundes – der als solcher kritisch zu überprüfen wäre –mit neuen Fragestellungen konfrontiert werden.

Das zweijährige Projekt, angesiedelt am Institut für kunst- und musikhistorische Forschungen, wurde aus Mitteln der Digital Humanities-Förderprogram GO!DIGITAL 2.0 der Österreichischen Akademie der Wissenschaften finanziert.

Projektleitung
Doz. Dr. Robert Klugseder

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Paul Gulewycz, M.A.
Peter Provaznik
Agnes Seipelt, M.A.

Scientific Advisory Board
Dr. Johannes Kepper (Beethovens Werkstatt, ZEN|M|E|M )
Dr. Laurent Pugin (RISM Schweiz)

Kooperationspartner
ZEN|M|E|M : Zentrum Musik – Edition – Medien Detmold/Paderborn
VEROVIO, RISM Schweiz
Österreichische Nationalbibliothek