Projektbeschreibung

bruckner-online.at ist ein umfangreich angelegtes Anton Bruckner-Internetportal (Webarchiv), in dem neben dem revidierten und erweiterten Werkverzeichnis auch die elektronische Dokumentation handschriftlicher Quellen, relevanter Personen und Orte enthalten sind. Zudem werden von einem überwiegenden Teil der Handschriften sowie sämtlicher Erstdrucke und der Alten Gesamtausgabe vollständige Digitalisate zur Verfügung gestellt. Dieses Projekt soll für Forschung und Konzertpraxis neue Recherchemöglichkeiten schaffen. In der ersten Projektstufe wurden sämtliche Musikhandschriften im In- und Ausland dokumentiert und mit philologischen Kommentaren versehen, so dass ca. 780 Signaturen in einer Quellendatenbank erfasst werden konnten. Eine Zusammenstellung wichtiger Episoden aus dem Leben Anton Bruckners und eine Literatur-Datenbank wurden ebenfalls in dieser Projektphase ergänzt.

Eine zweite Projektphase startete ab Mai 2017 mit dem durch den Wissenschaftsfond FWF finanzierten, für zwei Jahre angelegten Projekt Digitales Werkverzeichnis Anton Bruckner (dWAB). Ziel des Projekts war eine Neubearbeitung, Revision und Erweiterung des gedruckten Werkverzeichnisses von Renate Grasberger aus dem Jahr 1977. Um nun aber weder in der bezugnehmenden Forschungsliteratur, noch in der Datenhaltung in Bibliothekssystemen oder in der Musikindustrie für Konfusion zu sorgen, wurden die von Grasberger eingeführten und bewährten Werknummern überwiegend beibehalten. In Zusammenarbeit mit dem Science Advisory Board des Projekts wurde eine neue → Werksystematik erarbeitet und sämtliche bekannte Werke und Quellen entsprechend eingeordnet. Um die Differenzierung zwischen alten und neuen WAB-Nummern zu gewährleisten wurden a) unter durch Umgruppierung frei gewordene WAB-Nummern nicht neu vergeben, b) neue WAB-Nummern beginnend erst mit der Ziffer WAB 200 vergeben und c) vorhandene Werkfassungen und Werkteile durch Kommata, Schrägstrich oder nachgestelltem Buchstaben nach der jeweiligen WAB-Nummer voneinander abgegrenzt.

Auf dieser Grundlage wurde die zuvor bestehende Aufteilung einer primär quellenorientierten Datenbank auf bruckner-online.at fallen gelassen. Es sind nunmehr alle relevanten Quellen in den entsprechenden Werkdatensätzen such- und abrufbar, sodass den jeweiligen Werkeinträgen (siehe Werkverzeichnis) neben den Basisinformationen zu Titel, Autorschaft, Besetzung, Ton- und Taktart, Werkgenese und Notenincipit auch umfassende Quellenbeschreibungen sowie eine Auflistung der zu Bruckners Lebzeiten relevanten Aufführungen beigefügt sind. Die bereits in der ersten Projektphase anhand von bestehenden Revisionsberichten der Neuen Kritischen Bruckner-Gesamtausgabe angefertigten Quellenbeschreibungen wurden, sofern notwendig, revidiert, verbessert oder ergänzt. Eine große Hilfe stellte die Sichtung der Brucknerbestände des Photogrammarchivs der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek dar. Dieses Archiv besteht unter anderem aus Kopien, Negativabzügen und Mikrofilmen von Quellen, die die Musiksammlung nicht erwerben konnte. Somit war es möglich, Privatbesitze mit entsprechenden Reproduktionen zu verknüpfen und durch Recherchearbeiten zu belegen. Letztendlich ermöglichte die komplette Sichtung dieses Bestandes die Beschreibung nahezu aller bekannten, in Privatbesitz befindlichen Quellen.

Die in den Werkeinträgen hinterlegten Aufführungen sind zu einem überwiegenden Teil durch Belegstellen in zeitgenössischen Periodika validiert. Dies konnte durch die Recherchemöglichkeiten des virtuellen Zeitungsarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek (ANNO) realisiert werden. Die jeweiligen Konzertankündigungen und Rezensionen sind nicht nur bibliographisch erfasst, sondern können auch durch Links auf das Zeitungsarchiv nachgelesen werden. Das Werkverzeichnis bietet somit eine neue Perspektive auf die Popularität und Rezeption der Brucknerschen Werke in ihrem zeitgenössischen Kontext.

Um eine Langzeitarchivierung im digitalen Kontext bei gleichzeitig höchst möglicher Interoperabilität der erzeugten Werkdatensätze sicher zu stellen, wurden sämtliche, werkbezogene Angaben sowie die Aufführungsdaten und Quellenbeschreibungen im sogenannten Header des xml-basierten Auszeichnungsformats der Music Encoding Initiative (MEI) codiert und in einer eXist-Datenbank gespeichert. Dabei kam der vom Kooperationspartner, dem Danish Centre for Music Editing (DCM) entwickelte Web-Editor zur Eingabe und Speicherung von MEI-Metadaten, die sogenannte MerMEId (Metadata editor and repository für MEI data), zum Einsatz. Die Applikation wurde im Laufe des Projekts zusammen mit dem DCM und dem ÖAW-ACDH an unsere Anforderungen angepasst und weiterentwickelt. Eine Eigenentwicklung war in diesem Zusammenhang ein git-Versionierungstool für die MerMEId, das es mehreren Anwendern ermöglicht, gleichzeitig am Datenbestand zu arbeiten.

Für die Darstellung der Abbildungen kommt die Bilderservertechnologie des International Image Interoperability Frameworks (IIIF) zum Einsatz. Durch diese Technik werden hohe Auflösungen und eine schnelle Bilddarstellung ermöglicht. Der Mirador-Imageviewer stellt verschiedene Arten der Bildmanipulation und die Möglichkeit, mehrere Quellen gleichzeitig zu betrachten zur Verfügung.

bruckner-online.at versteht sich als Forschungsplattform für die Bruckner Community. FachkollegInnen werden ausdrücklich gebeten, ihr Wissen mit einzubringen, die Inhalte kritisch zu hinterfragen und so zum Gelingen des Webprojekts beizutragen.

Abschließend sei den BesitzerInnen der handschriftlichen Quellen für die Erlaubnis gedankt, die Autographe und frühen Abschriften digitalisieren und online zur Verfügung zu stellen zu können Dank sagen möchten wir auch dem Musikwissenschaftlichen Verlag Wien, der Universal Edition Wien und dem Bärenreiter-Verlag Kassel für die Möglichkeit, Bilder von älteren Notendrucken online verwenden zu dürfen. Dank gebührt den Bibliotheken der Universität Wien und der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien für die Erlaubnis, Erstdrucke digitalisieren und online verwenden zu dürfen.

Das in bruckner-online.at implementierte Anton Bruckner-Lexikon online  (ABLO) enthält in rund 1000 Einträgen Informationen zu Leben und Werk des Komponisten. Das in TEI codierte Nachschlagewerk stellt eine hevorragende Ergänzung des Bruckner-Webarchivs dar.

Eine wesentliche Ergänzung von bruckner-online.at steht mit einer in dem Forschungsprojekt Digitale Musikanalyse mit den Techniken der Music Encoding Initiative (MEI) am Beispiel der Kompositions­studien Anton Bruckners entwickelten Applikation zur Verfügung. Die Anwendung zur Datenvisualierung stellt eine digitale Edition des Kitzler-Studienbuchs dar und ermöglicht eine rudimentäre automatisierte Harmonieanalyse.

bruckner-online.at wurde durch die finanzielle Unterstützung des FWF. Der Wissenschaftsfond (PUB 240-G21) und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ermöglicht. Das Teilprojekt Digitales Werkverzeichnis Anton Bruckner  wurde ebenfalls durch den FWF finanziert (ORD 77-VO).