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Anton Bruckner-Lexikon online: Artikel

Oslo (Christiania, Kristiania)

Seit 1814 Haupt- und Residenzstadt des Königreichs Norwegen, auch kulturelles Zentrum. 1624–1924 hieß die Stadt Christiania bzw. Kristiania. 1891: ca. 151.000, 2020: ca. 693.000 EW.

Die erste Bruckner-Aufführung in den nordischen Ländern fand in Christiania statt, als das Te Deum am 21.2.1891 in einem Konzert des Musikforeningen unter der Leitung von Iver Holter (1850–1941) gespielt wurde – gut drei Monate vor der Präsentation dieses Werkes in Berlin unter Siegfried Ochs. Holter lernte bereits im Dezember 1884 Bruckners Siebente Symphonie im Rahmen der Leipziger Uraufführung kennen und verfasste anschließend einen begeisterten Artikel über das Werk für die Nordisk Musik-Tidende in Christiania. Bezüglich der Aufführung des Te Deum, die im akustisch unzulänglichen Zirkusgebäude des Vergnügungsparks „Tivoli“ stattfand, verhielten sich sowohl die Zuhörer als auch die Kritiker kühl. So formulierte in der ausführlichsten Besprechung Otto Winter-Hjelm (1837–1931): „Die Einheit der Stimmung wird immer wieder durch ein Schwanken zwischen Modernismus und alt-katholischer Klostermusik gebrochen.“ Andere meinten, der Komponist sei „etwas arm an Ideen“ (zit. n. Marschner, S. 199). Es vergingen daher 19 Jahre, bis der Musikforeningen und Holter sich wieder mit Bruckner zu befassen wagten, diesmal mit der Vierten Symphonie (1910).

Im März 1903 spielte das Winderstein-Orchester aus Leipzig unter seinem Gründer Hans Winderstein (1856–1925) bei einem Gastspiel die Dritte Symphonie. Erst nach der Gründung des Filharmonisk Selskaps Orkester (1919) kam es in Oslo zu regelmäßigeren Aufführungen Bruckner‘scher Werke. Initiator war hier der finnische Dirigent Georg Schnéevoigt.

Literatur

BO MARSCHNER

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 17.8.2020