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Anton Bruckner-Lexikon online: Artikel

Vermarktung und Tourismus

Abgesehen von üblichen Namensgebungen auf kommunaler oder institutioneller Ebene (Brucknerstraße, „Anton Bruckner Sinfoniewanderweg“ [Ansfelden], Bruckner-Konservatorium [Anton Bruckner Privatuniversität], Bruckner Orchester Linz, u. Ä.) haben gezielte Strategien zur Vermarktung Bruckners in Oberösterreich mit dem Bau des Brucknerhauses Linz 1974 eingesetzt. Eine nicht unbedeutende Rolle spielte hierbei die schon lange diskutierte kulturelle Eigenständigkeit gegenüber Salzburg und seinen Festspielen. „Was Salzburg sein ‚Wolferl‘, ist uns unser ‚Tonerl‘.“ war auf der Homepage der 2016 geschlossenen Konditorei Bruckmüller in Linz zu lesen, die zum 150. Geburtstag des Komponisten „Bruckner-Noten“ mit Nougat-Füllung als „Musik für Ihren Gaumen“ (www.konditorei-bruckmueller.at [6.8.2013]) präsentierte.

Mit der Linzer Klangwolke im Rahmen des Internationalen Brucknerfestes Linz (IBF) konnte ein wirksames Medienereignis geschaffen werden, mit dem bis heute viele Publikumsschichten fernab des Konzertbetriebs angesprochen werden. Inwieweit diese elektronisch dominierte Veranstaltung, die das Bild der „modernen“, „innovativen“ Kulturstadt fundiert, auch die Rezeption Bruckners befördert, bleibt offen. Die wenigen Erhebungen verweisen eher auf eine allgemein geringe Präsenz des Komponisten in der Öffentlichkeit (vgl. Thumser-Wöhs).

Seitens der Tourist Information Linz gibt es Angebote für Bruckner-Rundgänge in Linz und diverse Rundfahrten (Ansfelden, Linz, St. Florian). Der Brucknerhaus-Shop hat eine eigene „Edition Bruckner“ gegründet: Eine kleine Bruckner-Büste aus Alabasterstaub, bedruckte Kuvert- und Briefpapiersets oder ein beleuchteter Portraitrahmen „mit handgeschöpftem Wasserzeichenpapier des Anton Bruckner [!]“gehören zu diesem Sortiment. Im neuen Linzer Opernhaus wurde das Restaurant „Anton“ eröffnet.

In der engagierten Konzeptualisierung „Bruckner-Stadt“ scheut man ganz offensichtlich auch nicht vor historischen Verfälschungen zurück. So lebte laut der ersten 2013 erschienenen Ausgabe des Magazins Linz. Verändert „Anton Bruckner von 1824 bis 1896 in Linz und im Umland der Stadt“. Werbestrategisch wird zunehmend ein Weg zwischen Chauvinismus (konkret Oberösterreich-Patriotismus) und Spektakel eingeschlagen; die 2013 für drei Jahre vereinbarte Förderung durch die VÖEST bekräftigte diese Richtung (s. Partsch).

Die oberösterreichische Bruckner-Vereinnahmung spiegelt sich etwa auch im Anton-Bruckner-Radweg wider, der einige wichtige Lebensstationen (Ansfelden, St. Florian, Enns) miteinschließt.

Literatur

ERICH WOLFGANG PARTSCH

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 25.10.2021