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Anton Bruckner-Lexikon online: Artikel

Symphonie-Entwurf in B‑Dur (WAB 142)

Entwurfsfragment für den Kopfsatz

Aut.: ÖNB‑MS (Mus.Hs.6018)
ED: Göll.-A.August Göllerich/Max Auer, Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffensbild (Deutsche Musikbücherei 36–39). 4 Bde. (in 9 Teilbänden [1, 2/1–2, 3/1–2, 4/1–4]). Regensburg 1922–1937, unveränd. Nachdruck 1974 4/1, S. 113–116 (1936)

Unter den erhaltenen Skizzen Bruckners nimmt das Doppelblatt Mus.Hs.6018 einen geradezu singulären Stellenwert ein, denn anders als seine übrigen Entwurfsmanuskripte enthält es Vorarbeiten zu Werken, die Bruckner nicht ausgeführt hat. Es handelt sich dabei u. a. auf fol. 1r–1v um das Kompositionsfragment eines Particellentwurfes für den Kopfsatz einer als „Symphonie in B“ übertitelten Komposition. Die ansonsten mit Tinte beschriebene Seite ist in der rechten oberen Ecke – vermutlich von Bruckners Hand – mit Bleistift auf den 29.10.1869 und darunter mit Tinte auf 31.10. (desselben Jahres?) datiert. Anderthalb Monate zuvor hatte Bruckner die Arbeit an seiner Symphonie in d‑Moll („Annullierte“) beendet. In den Tagen direkt vor Beginn der Arbeit an dem B‑Dur-Entwurf entstanden die Motti „Im Wort und Liede wahr und frei“ (WAB 148/1) und „Wir alle jung und alt“ (WAB 148/2) für den Namenstag Simon Sechters (vgl. Brief an Adalbert Markus, Briefe I, 691028).

Äußerlich entspricht das Notat der Arbeitsmethode, die Bruckner im Unterricht mit Otto Kitzler etablierte: ein Particell-Entwurf auf zwei Systemen, in dem der Verlauf eines größeren Formabschnittes skizziert wird. Unter dem liegenden Terzklang b‘–d‘‘ entspinnt sich ohne weitere Einleitung – nach Johann Christian Lobes (1797–1881) Terminologie – die Themagruppe mit dem von einem charakteristisch punktierten Motiv geprägten viertaktigen Hauptthema.

Daran schließt sich die Überleitungsgruppe an, deren harmonischer Verlauf sich an einem taktweise chromatisch absteigenden Bass orientiert und schließlich in T. 68 die Dominante der Haupttonart erreicht, an welcher Stelle der Einsatz der Gesangsgruppe zu erwarten wäre. Es folgen acht Leertakte. Die letzten zwei davon befinden sich auf fol. 1v, wonach der Entwurf abbricht.

Wenngleich sich, wie Max Auer zeigt (Göll.-A. 4/1, S. 113–116), in dem Entwurf verschiedene Anklänge an Material der Zweiten und Fünften Symphonie erkennen lassen, so wäre angesichts der zahlreichen Querbezüge in Bruckners Werken eine Bewertung des Entwurfs als „Vorahnung“ übertrieben. Über die Gründe, die Bruckner dazu führten den Symphonieplan zu verwerfen, lässt sich heute höchstens spekulieren. Interessant ist jedenfalls, dass er erst zwei Jahre nach dem B‑Dur-Entwurf wieder Arbeiten an einer Symphonie aufnahm, die er auch vollendete und die heute als seine Zweite geführt wird.

Das Doppelblatt gelangte aus Bruckners Nachlass (Göll.-A. 4/1, S. 112) an Ferdinand Löwe, worauf der typische Bleistiftvermerk „Löwe“ auf fol. 1r hindeutet. Über Auer kam es schließlich 1934 als Geschenk an die Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB).

Literatur

MARIO ASCHAUER

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 19.6.2017

Medien

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Digitalisate

Quellen (Werkverzeichnis)

Erstdruck

Abbildungen

Abbildung 1: Symphonie-Entwurf in B-Dur (Satz: Mario Aschauer)

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