Anton Bruckner-Lexikon online: Artikel
Reiter, Franz Sales
* 26.1.1835 Bad Ischl, Oberösterreich/A, † 7.11.1888 Urfahr, Oberösterreich/A (Linz-Urfahr). Lehrer, Chorleiter und Komponist.
Sohn eines Schiffmannes. Dem ersten Musikunterricht in Bad Ischl durch Matthäus Polt (ca. 1793/94–1869) ab ca. 1840 folgten die Ausbildung in der Linzer Präparandie bei Johann August Dürrnberger und Wenzel Pranghofer sowie vermutlich private Studien bei P. Peter Singer (1810–1882) in Salzburg. 1855 wurde Reiter zum Unterlehrer in Kremsmünster berufen. Mit der Versetzung nach Braunau (ab 1859 Stadtpfarrorganist, ab 1871 als Lehrer und ab 1872 als Oberlehrer) folgen Tätigkeiten sowohl als Chormeister der ansässigen Liedertafel (1861–1867) als auch des Liederkranzes Simbach/D. 1872 wird Reiter als Lehrer nach Urfahr berufen und übernimmt 1873 die Schulleitung. Neben der Leitung der Chorgesangschule für Männerstimmen der Linzer Liedertafel „Frohsinn“ (1873–1875) und des Linzer Gesangvereins Gutenbergbund (1881–1886) ist Reiter ab 1876 als Orgelrevisor für die Diözese Linz, als Autor der Zeitschrift Die Lyra sowie als Gesangslehrer für den Linzer Musikverein tätig.
Inwiefern Reiter persönlich mit Bruckner verkehrte, ist nicht überliefert, es sprechen jedoch sowohl das soziale und kulturelle Umfeld als auch die musikalische Sozialisierung und Verortung in Linz sowie die Tatsache, dass er für die Anfertigung seiner Bearbeitung des Liedes Amaranths Waldeslieder für Sopran-Solo, Frauenchor und Streichorchester (bzw. Klavierbegleitung) im Besitz der autografen Arbeitspartitur (Wienbibliothek, Musiksammlung, MH-c 7680) war, dafür, dass es sich nicht lediglich um eine oberflächliche Bekanntschaft gehandelt haben dürfte.
Der von Reiter dirigierten Aufführung der Bearbeitung am 11.4.1886 im Linzer Redoutensaal anlässlich des fünfjährigen Bestehens des Gesangsvereins Gutenbergbund wohnte Bruckner nicht bei. Eine Rezension der Aufführung in der Linzer Zeitung beschreibt die Einrichtung des Werkes als gewinnbringend: „jedenfalls weist schon die reiche, oft orgelmäßige Figuration in der Clavierbegleitung darauf hin, die Melodie einem Chore anzuvertrauen“ (Linzer Zeitung 14.4.1886, S. 399). Es finden sich jedoch keine Belege, wie Bruckner die Bearbeitung durch Reiter bewertete.
Werke
- ca. 400 Kompositionen: Kirchenmusik; Chöre, Lieder.
Literatur
- Gesangverein „Gutenbergbund“, in: [Linzer] Tages-Post 13.4.1886, S. 4
- K., Gründungsconcert des „Gutenbergbund“, in: Linzer Zeitung 14.4.1886, S. 399
- Wolfgang Kreuzhuber, Kirchenmusik mit Schwerpunkt Orgelbau, in: Andrea Harrandt (Hg.), Tendenzen der Kirchenmusik im 19. Jahrhundert in Mitteleuropa. Wissenschaftliche Tagung 8. bis 9. Oktober 2016, Ruprechtshofen, NÖ (Publikationen des Instituts für Österreichische Musikdokumentation 40). Wien 2018, S. 135–160, bes. S. 145f.
- Alexander Rausch/Christian Fastl, Art. „Reiter, Familie“, in: www.musiklexikon.ac.at [16.5.2021]
Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 16.5.2021
Zitierlink: https://www.bruckner-online.at/ABLO_d1e9941