Anton Bruckner-Lexikon online: Artikel
Dallinger, Fridolin
* 16.2.1933, Eferding/OÖ. † 28.10.2020 Eferding/OÖ. Komponist, Musikpädagoge und Maler.
Nach der ersten musikalischen Ausbildung in der Musikschule Eferding folgte ab 1946 ein Studium in Musiktheorie am Bruckner-Konservatorium bei Helmut Eder (1916–2005) und ab 1953 Komposition bei Robert Schollum (1913–1987) an der Musikschule Linz. 1948–1953 Ausbildung an der Lehrerbildungsanstalt in Linz und anschließend weitere Fachausbildungen an den Musikhochschulen in Wien (Klavier Gershon Jarecki, Dirigieren Hans Swarowsky) und Salzburg (Musikerziehung). Ab ca. 1958 mehrjährige Tätigkeit als Volks- und Hauptschullehrer sowie Unterricht an verschiedenen Gymnasien. 1975–93 Musikprofessor an der Pädagogischen Akademie der Diözese Linz, danach als freischaffender Künstler und Maler tätig. Leiter der Landesgruppe Oberösterreich des Österreichischen Komponistenbundes.
Nach zunächst durch polyphonen Stil geprägten Kompositionen wandte sich Dallinger auch der Zwölftontechnik zu und experimentierte in seinen Kompositionen mit Klangstruktur und Klanglichkeit. Wenngleich er daran anschließend zur Tonalität zurückkehrte, zeichnen sich seine Werke vor allem durch ausgefallene und extravagante Besetzungen aus.
Im Linzer Umfeld musikalisch sozialisiert, ist Dallinger sicher bereits früh mit den Werken Bruckners in Kontakt gekommen. Besonders im Rahmen des Bruckner-Jubiläums 1974 bespricht Dallinger in mehreren Artikeln für das Linzer Volksblatt Werke Bruckners und setzt sich mit dem kompositorischen Schaffensprozess Bruckners auseinander.
Bei der Einrichtung des Klavierstücks Erinnerung für Streicher und Harfe, die ca. 1999 entstand, verteilt Dallinger den vierstimmigen Satz des Stückes zunächst auf die Streichinstrumente, ehe die im ursprünglichen Werk pedalisierten Arpeggios in Sechzehntel-Sextolen durch die Harfe übernommen werden. Der kompositorische Eigenanteil dieser Bearbeitung ist dabei als geringer einzustufen als bei der ebenfalls für Streicher und Harfe eingerichteten Fassung von Harald Heilmann. Die Uraufführung der Bearbeitung Dallingers unter Dennis Russell Davies durch das Orchester der Anton-Bruckner-Privatuniversität fand am 10.6.2013 im Linzer Brucknerhaus statt. Die Partitur der Bearbeitung (ÖNB, Musiksammlung Mus.Hs.42931) sowie der gesamte Nachlass Dallingers wird in der Musiksammlung der Nationalbibliothek aufbewahrt. Sein Bruder Gerhard Dallinger (1940–2016) dirigierte zudem eine Aufführung des Os justi am 13.7.1992 in Steyr. Neben zahlreichen Auszeichnungen erhielt Dallinger 2003 den Bruckner-Preis des Landes Oberösterreich.
Werke
- Opern (Die Goldenen Zwanziger - The Roaring Twenties)
- Messen (u. a. Missa electronica, Jugendmesse, Deutsche Messe)
- Oratorien (Die Donau)
- Orchesterwerke (3 Symphonien, Concerto per orchestra d'archi)
- Kirchenmusik (u. a. Kleine Passionskantate, Ave Maria)
- Kammermusik (u. a. Dialoge)
- Volkslied (Wiener Lied)
Literatur
- Georgina Szelles, Fridolin Dallinger. Linz 2008
- ABCD
- Elisabeth Th. Hilscher/Georg Demcisin, Art. „Dallinger, Brüder“, in: www.musiklexikon.ac.at [19.7.2021]
Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 19.7.2021
Zitierlink: https://www.bruckner-online.at/ABLO_d1e5638