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Anton Bruckner-Lexikon online: Artikel

Berlioz, (Louis) Hector

* 11.12.1803 La Côte-Saint-André/F, † 8.3.1869 Paris/F. Komponist, Musikkritiker, Dirigent.

Der Sohn eines Arztes erhielt eine hervorragende Ausbildung in klassischem Latein, französischer Literatur, Geschichte und Anatomie; in musikalischer Hinsicht lernte er Flöte und autodidaktisch Gitarre. Die erste Komposition, eine Romanze für Gesang und Klavier, wurde bereits 1819 in Paris gedruckt. Neben dem Medizinstudium ab Oktober 1821 in Paris analysierte er im Selbststudium Opernpartituren von Christoph Willibald Gluck (1714–1787), Gaspare Spontini (1774–1851) und Jean-François Lesueur (1760–1837). Nach privatem Kompositionsunterricht bei Hyacinthe Gerono studierte Berlioz ab 1826 am Conservatoire bei Lesueur und Anton Reicha (1770–1836). 1830 gewann Berlioz das von Ludwig XIV. (1638–1715) ins Leben gerufene Prix de Rome-Stipendium. Konzertreisen führten ihn außerdem nach Berlin, London, Riga und Weimar. 1851 wirkte er auf der Weltausstellung in London als Jury-Mitglied für die Musikinstrumente.

Berlioz gilt als Schöpfer des modernen Orchesters. Seine Vorstellungen von neuen Klangverbindungen, ‑mischungen und ‑farben legte er 1843 in seinem Grand Traité d‘instrumentation et d‘orchestration modernes (2. Aufl. 1855) nieder. Er gilt als Wegbereiter der programmatisch bestimmten französischen Romantik, deren Hauptwerk seine Symphonie fantastique ist.

Durch seinen Lehrer Ignaz Dorn lernte Bruckner in Linz Werke von Richard Wagner, Franz Liszt und Berlioz kennen (Neudeutsche Schule), von letzterem v. a. die Symphonie fantastique und die Faust-Symphonie. Bruckner schätzte Berlioz‘ Instrumentationskunst und Kontrapunktik und bezeichnete sein Requiem als „bewunderungswürdig“: Es galt ihm „als einer der Höhepunkte moderner Kunst“ (Göll.-A. 4/2, S. 169). Laut Max Auer und Robert Haas soll Bruckner seine eigene Fünfte Symphonie die „Phantastische“ genannt haben. Ebenso bedachte er Ferdinand Löwe wegen seiner Ratschläge zur Instrumentation mit dem Spitznamen „der Berlioz“.

Am 16.12.1866 besuchte Bruckner, begleitet von Alois Weinwurm, die vom Komponisten selbst geleitete Aufführung von Fausts Verdammnis im Redoutensaal in Wien. Berlioz‘ Te Deum unter der Leitung von Hans Richter am 14.12.1884 im großen Musikvereinssaal wohnte Bruckner ebenfalls bei (vgl. Maier, S. 113; Göll-A. 4/2, S. 141f.). Neben der Siebenten Symphonie von Bruckner stand am 27.4.1890 in Pressburg die Ouvertüre zu Benvenuto Cellini von Berlioz auf dem Programm. Der Aufführung von Berlioz‘ Te Deum am 11.1.1894 in Berlin unter der Leitung von Siegfried Ochs konnte Bruckner nicht mehr beiwohnen.

Werke
  • 4 Opern, 1 Opernfragment
  • Symphonien
  • Kammermusik
  • Bearbeitungen fremder Werke
  • Geistliche und weltliche Chorwerke
  • Lieder
Schriften
  • Grand Traité d’instrumentation et d’orchestration modernes. Paris 1843
  • Voyages musical en Allemagne et en Italie. Études sur Beethoven, Gluck et Weber. Mélanges nouvelles. 2 Bde. Paris 1844
  • Les Soirées de l’orchestre. Paris 1852
  • Les Grotesques de la musique. Paris 1859
Literatur

ANDREA HARRANDT

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 8.4.2019

Medien

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Abbildungen

Abbildung 1: Musikalisches Wochenblatt 2 (1871) H. 29, S. 457

Normdaten (GND)

Berlioz, (Louis) Hector: 118509675

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