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Anton Bruckner-Lexikon online: Artikel

Grüninger, Fritz

* 10.8.1886 Haslach im Kinzigtal, Baden-Württemberg/D, † 2.12.1953 Weinheim, Baden-Württemberg/D. Lehrer und Musikwissenschaftler.

Grüninger studierte Philologie an der Universität Freiburg im Breisgau (1913 Dr. phil.). Ab 1917 Lehrer, zunächst an der Realschule in Triberg im Schwarzwald (1920 Professorentitel), ab 1931 bis zu seiner Pensionierung Gymnasialprofessor am Realgymnasium in Weinheim; nebenberuflich Musikbeauftragter der Stadt.

Während Karl Grunsky die Bruckner-Rezeption insbesondere im ehemals württembergischen Landesteil Baden-Württembergs förderte, setzte sich Grüninger im früheren badischen Landesteil für den Komponisten ein. Dabei trieb Grüninger nicht der wissenschaftliche Ehrgeiz Grunskys, sondern vielmehr das Bemühen, „im Bewusstsein der Deutschen“ den religiösen Menschen Bruckner in seinem Werk aufzuspüren und seine Musik volkstümlich zu machen. Der Leser Grüningers Bruckner-Biografie sollte miterleben, „wie die in Gott fest verankerte Seele des Meisters durch vielerlei bescheidene Freuden, durch Entsagungen und Enttäuschungen von Werk zu Werk wuchs, wie Anton Bruckner sein eingeborenes Genie durch Liebe und Demut und Ehrfurcht vor allem Erhabenen zur Reife und Vollendung führte“ (Verlagsanzeige zu Der Ehrfürchtige, Literatur). Dementsprechend nehmen auch Katholizismus und Mystik in Grüningers Sichtweise großen Raum ein.

Wie Grüninger zu Bruckner fand, ist nicht bekannt. Neben einigen anderen Veröffentlichungen über Musik bezeugen jedoch rund 30 Publikationen zu Bruckner (darunter das Hauptwerk Anton Bruckner. Der metaphysische Kern seiner Persönlichkeit und Werke und das erfolgreiche, 1935–1954 in immerhin sieben Auflagen erschienene Bändchen Der Ehrfürchtige. Anton Bruckners Leben dem Volk erzählt) die besondere Vorliebe des Verfassers (weitere Schriften s. Bruckner-Bibliographie). In die Diskussion um Original und Bearbeitung hat er sich als Befürworter authentischer Partituren eingebracht.

Am 9.6.1928 gründete Grüninger in Freiburg den Badischen Bruckner-Bund (Bruckner-Gesellschaften) und wurde dessen Vorsitzender. In dieser Eigenschaft kümmerte er sich besonders um die Organisation der Badischen Brucknerfeste (6.–10.11.1929 in Karlsruhe, 2.–5.10.1931 in Baden-Baden). Hierzu finden sich in St. Florian viele Briefe Grüningers im Nachlass von Franz Xaver Müller. Grunsky wirkte bei den Brucknerfesten mit seinen Transkriptionen von Bruckners Symphonien für zwei Klaviere mit.

In zahlreichen Vorträgen warb Grüninger bis zu seinem Tode sehr erfolgreich um ein tieferes Verständnis für Bruckners Musik, sodass auch er zu den wichtigen Multiplikatoren im deutschen Südwesten zu zählen ist.

Schriften
  • Die Betonung der Mittelsilbe in dreisilbigen Wörtern. Diss. Freiburg im Breisgau 1913
  • Anton Bruckner. Der metaphysische Kern seiner Persönlichkeit und Werke. Augsburg 1930
  • Der Ehrfürchtige. Anton Bruckners Leben dem Volk erzählt. Freiburg 1935
  • Das originale oder das bearbeitete Werk Anton Bruckners?, in: Das Bundesblatt. Mitteilungen des Badischen Bruckner-Bundes 5 (1937), S. 6–10
  • Heldensymphonie. Ein Lebens- und Schaffensbild Ludwig van Beethovens. Paderborn 1940
  • Ewige Harmonien. Schaffen und Schicksal Wolfgang Amadeus Mozarts. München 1943
  • Symphonisches Zweigestirn. Ludwig van Beethoven. Anton Bruckner. Heidelberg 1946
  • Anton Bruckners Religiosität in seinem Musikschaffen, in: CVO Zeitschrift für Kirchenmusik 69 (1949), S. 134–137
  • Der Meister von Sankt Florian. Wege zu Anton Bruckner. Augsburg 1950
  • Die Himmel erzählen. Ein Joseph-Haydn-Buch. Freiburg 1951
  • Giuseppe Verdi. Ein Lebens- und Schaffensbild. München 1953
Literatur

ERICH WOLFGANG PARTSCH

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 8.4.2019

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Grüninger, Fritz: 140717994

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