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Anton Bruckner-Lexikon online: Artikel

Ave Maria (WAB 7)

Singstimme (Alt) und Klavier, Orgel oder Harmonium in F‑Dur, „Alla breve. Weihevoll“

EZ: 5.2.1882 (bei Göll.-A.August Göllerich/Max Auer, Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffensbild (Deutsche Musikbücherei 36–39). 4 Bde. (in 9 Teilbänden [1, 2/1–2, 3/1–2, 4/1–4]). Regensburg 1922–1937, unveränd. Nachdruck 1974 4/3 wohl irrtümlich mit 30.4.1882 datiert)
W: Louise Hochleitner in Wels
UA: ?; gesichert 5.2.1903 in Wien, Universität Wien (Gisela Seehofer, A)
Aut.: verschollen, vormals bei Martha Ginzkey (1872–1950); ÖNB‑MS (Mus.Hs.3185, As. mit autografen Eintragungen)
ED: Musikbeilage 13 der Neuen Musikzeitung 23 (Carl Grüninger, Stuttgart–Leipzig–Wien 1902); Böhm & Sohn, Augsburg–Wien 1927
NGA: Band XXI (Hans Bauernfeind/Leopold Nowak, 1984) und Revisionsbericht (1984)

Bruckner sah (vermutlich) 1881 anlässlich eines Besuchs in Wels in der Auslage eines Fotografen ein Mädchenporträt, das ihn fesselte: Es handelte sich zufälligerweise um die Schwester der Braut seines Schülers und Begleiters Camillo Horn, Luise Hochleitner, Tochter eines Oberlandesgerichtsrats. Bruckner drängte, wie es seine Art war, vehement darauf, sie sofort kennenzulernen, obwohl es schon spätabends war („Ahhh – herrlich! Wer is‘ dös? […] Da führt‘s mi‘ hin. Dö muaß i‘ seg‘n!“, Göll-A. 4/2, S. 51). Luise musste Bruckner ihr ganzes Gesangsrepertoire vortragen. Noch monatelang begeistert von ihrer schönen Kontra-Alt-Stimme, widmete er ihr im Februar darauf dieses Ave Maria (WAB 7). Die Vertonung ist weniger von ruhiger Versenkung ins Gebet als von Dramatik und einer Vielzahl effektvoller Stilmittel, ja fast opernhaftem Pathos gekennzeichnet (also keinesfalls ein „anspruchslose[s] Stück“, Göll.-A. 4/2, S. 52). Die Harmonik ist äußerst bewegt und farbig, alte Topoi (z. B. Oktavsprung auf „Dominus“) gelangen zum Einsatz. Auch hier ist der Name „Jesus“ wieder besonders hervorgehoben. Zu den Worten „Sancta Maria“ (T. 59–62) zitiert Bruckner wörtlich die entsprechende Stelle aus dem Ave Maria (WAB 6; Zitate).

Das Autograf wurde 1896 von Theodor Reisch an M. Ginzkey (geb. von Schmitt) übergeben (Frauen). Sie heiratete 1911 den Schweizer Industriellen Robert Thyll (1864–1929).

Die bislang früheste bekannte Aufführung (Uraufführung?) fand nach Erscheinen des Erstdruckes im kleinen Festsaal der Universität Wien im Rahmen des 5. Bruckner-Abends des Wiener Akademischen Gesangvereines statt, bei dem die Opernsängerin Gisela Seehofer neben diesem Ave Maria auch Amaranths Waldeslieder und Im April vortrug. Eine weitere Aufführung fand während des Brucknerfestes in Stuttgart im Oktober 1921 statt.

ELISABETH MAIER

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 25.10.2018