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Anton Bruckner-Lexikon online: Artikel

St. Louis

1764 gegründete Stadt im Bundesstaat Missouri am westlichen Ufer des Mississippi, seit 1803 Teil der Vereinigten Staaten von Amerika. Im 19. Jahrhundert starker Zuzug deutscher Einwanderer und Eisenbahnknotenpunkt im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten. 1880 Gründung des Saint Louis Symphony Orchestra . 1900: 575.238, 2010: 319.294 EW.

In seinem Brief vom 26.4.1892 an Oddo Loidol schreibt Bruckner: „ Te Deum – in Hamburg riesig gefallen; auch in St. Louis in Nordamerika.“ (Briefe II, 920426). Von wem Bruckner die Nachricht bekam, ist derzeit nicht bekannt.

Die Aufführung hatte am 1.12.1891 in der Music Hall der St. Louis Exhibition zum goldenen Priesterjubiläum von Erzbischof Peter Richard Kenrick (1806–1896) stattgefunden. Kenrick stammte aus Dublin, war zunächst in Philadelphia und ab 1841 in St. Louis, wo er 1847–1895 Erzbischof war. Es sangen Adelaide Kalkman (1858–1929), Theresa Finn, Charles Humphrey (1869–1901), Edward Dierkes, Jubilee Chorus and Orchestra unter der Leitung des aus den Niederlanden stammenden Joseph Otten (1852–1926), 1885–1900 Musikdirektor der 1880 gegründeten Saint Louis Choral Society . Außerdem standen Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Carl Maria von Weber (1786–1826) und Richard Wagner auf dem Programm. Der St. Louis Globe-Democrat berichtete am 2.12.1891: „The ‚Te Deum‘, as sung for the first time in America, was a magnificent success.“ (St. Louis Globe-Democrat 2.12.1891, S. 4).

Johann Nepomuk Enzlberger (1852–1907) aus Oberösterreich, der in St. Louis die Zeitschrift Herold des Glaubens herausgab, vermerkte in einem „Amerikanischen Brief“ im Linzer Volksblatt vom 15.12.1891: „Die Landler wird aber am meisten die Nachricht interessieren, daß hiebei das Te Deum von Anton Bruckner zur Aufführung kommt […]“ (Linzer Volksblatt 15.12.1891, S. 3).

Am 17.9.1893 wurde das Te Deum im Rahmen der Convention of German Catholic Central Societies in der Music Hall mit den Solisten A. Kalkman, A. Sommer, Ch. Humphrey und R. Porteous mit Chören der katholischen Kirchen und dem Saint Louis Symphony Orchestra unter der Leitung von Joseph Otten aufgeführt und als „a masterpiece of sacred composition“ (St. Louis Post-Dispatch 17.9.1893, S. 8) bezeichnet.

Mit der Vierten Symphonie erklang erstmals am 10.1.1913 ein Orchesterwerk von Bruckner in St. Louis, unter der Leitung des aus Lemberg stammenden Max Zach (1864–1921), der am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien studiert hatte, ab 1886 im Boston Symphony Orchestra Viola spielte und 1907 Musikdirektor in Saint Louis wurde. Die nächste nachweisbare Bruckner-Aufführung fand erst am 1.12.1939 mit der Siebenten Symphonie unter Vladimir Golschmann (1893–1972) statt.

Literatur

ANDREA HARRANDT

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 15.1.2021