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Anton Bruckner-Lexikon online: Artikel

Rÿker, (Harry) Robert

* 2.9.1938 Indianapolis/USA. Dirigent, Professor, Musikkritiker.

Aufgewachsen als Sohn eines Versicherungsvertreters in mehreren Städten der USA. 1955–1960 studierte er Musikpädagogik und Performance an der Indiana University Bloomington. Es folgten Dirigier-Studien bei Igor Markevich (1912–1983), Herbert Blomstedt und Helmuth Rilling (* 1933) in Europa sowie ein Doktoratsstudium am Peabody Conservatory of Music in Baltimore. 1955 spielte er Tuba bei der Fort Wayne Philharmonic und war 1960–1973 erster solistischer Tubist bei der Montreal Symphony in Kanada. Zeitgleich lehrte er an der McGill University Montreal und leitete mehrere Ensembles. Ab 1973 war er als Dirigent zahlreicher internationaler Orchester tätig, u. a. arbeitete er mit dem Hanoi Philharmonic Orchestra und der National Philharmonic of India. 1977 gründete er die North Bay Symphony in Kanada, 1978–1980 war er dort künstlerischer Leiter der Kamloops Symphony. 1981 wanderte er nach Tokio aus, wo er Gastdirigent u. a. des Japan Philharmonic Orchestra, Tokyo Metropolitan Symphony Orchestra und Tokyo Philharmonic Orchestra wurde. 1997 als Gastdirigent des George Enescu Philharmonic Orchestra und Pittsburgh Symphony Orchestra sowie 1999 des Kiev Chamber Orchestra. Seit 2006 ist er künstlerischer Leiter des von ihm gegründeten Streichorchester Tokyo Sinfonia. Er entwickelte ein Audience Development-Programm für Sinfonieorchester, das als „Mini-Concerts“ bekannt ist. 2011 erhielt er eine Gastprofessur an der Tokyo International University. Darüber hinaus schrieb er Musikkritiken für The Japan Times.

Da Rÿker eine Vielzahl von Werken verschiedener Komponisten für das Tokyo Sinfonia einrichtete, überrascht es nicht, dass er ebenfalls Bearbeitungen mehrerer Werke Bruckners vorlegte. Als Kritiker bei The Japan Times setzte er sich ebenfalls mit den Symphonien von Bruckner auseinander. Dabei dürfte Rÿkers Verständnis Brucknerscher Werke sowie seine Interpretation selbiger im Dirigat wohl durch die Vermittlung seines Lehrers Blomstedt maßgeblich beeinflusst worden sein. Rÿkers Bearbeitung des Streichquintett in F-Dur zeichnet sich vor allem durch eine orchestrale Erweiterung der kammermusikalischen Besetzung hin zu einem Streichorchester aus, bei der der fünfstimmige Satz zwar beibehalten, jedoch neu instrumentiert wird: statt einer 2. Viola-Stimme wird eine Violoncello-Stimme eingesetzt, die ursprüngliche Violoncello-Stimme wird wiederum von einer Kontrabass-Stimme übernommen. Weiterhin wechselt passagenweise die Stimmführung, Stimmen werden colla parte geführt oder die 1. Violin-Stimme verziert. Rÿker behält bei seiner Bearbeitung die Satzreihenfolge des Erstdruckes (Scherzo als 2. Satz und daran anschließend das Adagio als 3. Satz) bei und verzichtet auf die Einbindung des Intermezzos in d-Moll. Die Uraufführung des Arrangements fand unter Rÿkers Leitung am 13. März 2009 in der Oji Hall in Tokyo gemeinsam mit dem Tokyo Sinfonia statt. Das Programm umfasste ausschließlich Werke Bruckners. Neben der Symphony for Strings in F-Major erklangen zwei weitere Uraufführungen von Bruckner-Bearbeitungen, die Rÿker für Streichorchester einrichtete: die Four Orchestral Pieces (Marsch für Orchester in d-Moll, Drei Orchesterstücke) und die Overture in G-Minor (Ouvertüre in g-Moll). Bei beiden Bearbeitungen erweiterte er die Stimmenanzahl auf insgesamt 19, die Anzahl der MusikerInnen des Tokyo Sinfonia.

Werke
  • Märsche für Blechbläser (u. a. March Canadienne, March LeRoyale, March to the Copper Country)
  • Rondos (u. a. Rondo for Young Audience and Strings, Rondo on Happy Birthday for Audience and Strings)
  • Bearbeitungen von Werken u. a. von Hector Berlioz (u. a. Symphony for Strings), Johannes Brahms (u. a. Concerto for Clarinet and Strings in B-Minor), Franz Schubert (u. a. Death and the Maiden), Robert Schumann (u. a. Symphony for Strings in E-flat Major ), Jean Sibelius (u. a. Six Historique Scenes), Richard Strauss (u.a. Metamorphosen ), Pjotr Illjitsch Tschaikovsky (u. a. Les Saisons ), Richard Wagner (u. a. Fantasia ) und Anton Bruckner (Symphony for Strings in F-Major).
Literatur

CLEMENS GUBSCH, KAROLINE HOCHSTÖGER

Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 6.9.2021