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Teplitz (Teplice)
1895–1945 Teplitz-Schönau und heute Teplice-Šanov/Tschechische Republik. Bezirksstadt in der nordböhmischen Aussiger Region in Tschechien. Berühmte Heilquelle. 1880: 17.050 EW, 1890: 20.575 EW, 2019: 49.575 EW.
Am 24.3.1888 wurde im Teplitz-Schönauer Anzeiger die Aufführung von Bruckners siebenstimmigem Ave Maria (WAB 6) in der Dekanatskirche mit der Teplitzer Liedertafel und dem Damensingclub unter der Leitung von Emil Tausche (1840–1904) angekündigt. In der Besprechung am 31.3.1888 wird Bruckner allerdings nicht erwähnt.
Am 4.11.1901 erklang die Vierte Symphonie mit dem Kurorchester unter Franz Zeischka (1869–1909). Dem folgten im November 1903 die Neunte Symphonie und das Te Deum, worüber der Brünner Tagesbote am 7.11.1905 in der Ankündigung zu der von Otto Kitzler zur Uraufführung gebrachten Trauermusik (Hommagen) berichtete: „Über Musikdirektor Franz Zeischka aus Teplitz-Schönau (vormals Dirigent des Kaim-Orchesters in München) liegen die schmeichelhaftesten Berichte vor. »Die Berliner Deutsche Musikerzeitung« schreibt: Das letzte philharmonische Konzert gestaltete sich in aller Form zu einem Bruckner-Abend. (Neunte Symphonie und Tedeum.) Musikdirektor Zeischka erwies sich wieder als der im vornehmsten Sinne routinierte Dirigent, der mit scharfem Geiste alle Geheimnisse der Partitur zu enthüllen vermag; daß er die Brucknersche Symphonie frei aus dem Gedächtnisse leitete, sei nur nebenbei erwähnt. Die »Duxer Zeitung« schreibt: Unsere Verwunderung müssen wir dem Dirigenten Herrn Zeischka zollen, der auch dieses grandiose Werk aus dem Gedächtnisse leitete und keine, auch die feinste Nuance fallen ließ. Alle Achtung vor solchem Talent!“ ([Brünner] Tagesbote 7.11.1905, S. 3).
Im 6. Philharmonischen Konzert 1904 wurden die Neunte und das Te Deum aufgeführt, allerdings „[…] nicht so gewaltig wirkend, wie man erhofft hatte. Es lag vornehmlich an der Interpretation; das Orchester vermochte das Werk nicht ganz zu bewältigen.“ (Anton Klima, in: Die Musik 3 (1903/04) H. 15, S. 223).
Nachweisbar ist eine Aufführung der Dritten Symphonie am 4.1.1907 im Philharmonischen Konzert unter der Leitung von Johannes Reichert (1876–1942) (Göll.-A. 4/4, S. 236). „Es sei darauf aufmerksam gemacht, daß die Aufführung in einem aufsteigenden Crescendo die wundervollen Eingebungen Bruckners herausbrachte. Sie ist ein Triumph für unseren Dirigenten geworden“, meldete der Teplitz-Schönauer Anzeiger (7.1.1907, S. 5). Zwei Jahre später, am 29.1.1909 im Rahmen des III. Abonnementkonzerts der Philharmonischen Konzertes, brachte Reichert mit dem Kurorchester auch die Erste Symphonie im Teplitzer Stadttheater zu Gehör. Dazu der Rezensent des Teplitz-Schönauer Anzeigers: „Ob Herrn Dir. Reichert seiner idealen Vorstellung gemäß alles in adäquate Erscheinung getreten? – Der Mensch will alles noch besser haben, sein Trachten steht nie still – das was er diesmal unserem Orchester entrungen, war eine hervorragende Tat und unser Orchester überbot sich selbst“ (Teplitz-Schönauer Anzeiger 1.2.1909, S. 5).
Am 28.1.1913 folgte die Zweite Symphonie im 4. Philharmonischen Abonnementkonzert: „Die Symphonie wurde unter Musikdirektor Reichert in ungemein feinsinniger Weise wiedergegeben, eben daß jene Milde, ebenso wie die Kraft eines starken Empfinders zu Gehör kam. Das Orchester folgte den Intentionen seines Leiters mit aller Sorgfalt und Hingabe“ (Teplitz-Schönauer Anzeiger 30.1.1913, S. 5).
Auch unter Reicherts Nachfolger Oskar Konrad Wille (1876–1962), der 1922–1938 das Kurorchester leitete, waren Brucknersche Symphonien fester Bestandteil des Konzertrepertoires in Teplitz. So z. B. weitere Aufführungen der Dritten, Vierten und Sechsten Symphonie im Konzertjahr 1922/23, eine Aufführung der Fünfte Symphonie am 24.10.1924 anlässlich der Centenarfeier sowie in den darauffolgenden Jahren 1925/26 ebenso die Siebente und Achte Symphonie sowie die Ouvertüre in g-Moll.
Von 25. bis 28.9.1937 fand das Erste Sudetendeutsche Musikfest in Teplitz-Schönau statt, gemäß der Ankündigung sollte am 28. Bruckners Fünfte Symphonie in der Urfassung aufgeführt werden, wohingegen einer der Rezensent von einer Aufführung der Vierten Symphonie spricht. Beide Symphonien lagen zu diesem Zeitpunkt bereits in einer von Robert Haas edierten „Originalfassung“, die mehrfach in den Ankündigungen erwähnt wird vor, wahrscheinlicher scheint mit Blick auf die Titulatur der Bände der Alten Gesamtausgabe (AGA) jedoch die Fünfte Symphonie. Für Mai 1938 war ein weiteres Sudetendeutsches Musikfestival in Teplitz-Schönau geplant, fand jedoch vermutlich aufgrund der politischen Umbrüche des Jahres und der folgenden Annexion des sogenannten Sudetenlandes durch Nazi-Deutschland nicht statt.
Teplitz-Schönau war auch der Geburtsort des Dirigenten und Komponisten Karl Pohlig und von August Stradal. Alexandrine von Soyka stammte ebenso aus Teplitz. Bruckners Schüler Max von Oberleithner wirkte 1895 kurzzeitig als Theaterkapellmeister in der Stadt.
Literatur
- Anton Klima, in: Die MusikDie Musik. Stuttgart–Berlin–Leipzig 1901/02–1914/15 und 1922/23–1942/43. Zusatz ab 1934: Amtliches Organ der NS-Kulturgemeinde; Zusatz ab 1937/38: Organ des Amtes für Kunstpflege beim Beauftragten des Führers für die gesamte geistige und weltanschauliche Erziehung und Schulung der NSDAP; Zusatz ab 1939: Organ der Hauptstelle Musik beim Beauftragten des Führers für die gesamte geistige und weltanschauliche Erziehung und Schulung der NSDAP; Zusatz ab 1940/41: Organ der Hauptstelle Musik beim Beauftragten des Führers für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP 3 (1903/04) H. 15, S. 223
- [Brünner] Tagesbote 7.11.1905, S. 2
- Theater und Musik. (Das IV. philharmonische Konzert), in: Teplitz-Schönauer Anzeiger 7.1.1907, S. 5
- Theater-Spielpläne, in: Teplitz-Schönauer Anzeiger 27.1.1909, S. 9
- Y., Theater und Musik. Philharmonische Konzerte, in: Teplitz-Schönauer Anzeiger 1.2.1909, S. 5
- Y., Theater und Musik. Philharmonische Konzerte, in: Teplitz-Schönauer Anzeiger 30.1.1913, S. 5
- Jahresberichte des Städtischen Kurorchesters Teplitz-Schönau, 1922–1938
- Sudetendeutsche Musikfesttage, in: Musikblätter der Sudetendeutschen 1 (1937/37) H. 10, S. 316
- Carl L. Heidenreich, Erstes sudetendeutsches Musikfest in Teplitz-Schönau, in: Signale für die musikalische Welt 13.10.1937, S. 549f.
- Sudetendeutsche Musikfesttage, in: Musikblätter der Sudetendeutschen 1 (1937/37) H. 12, S. 384–389
- Paul Banks, Art. „Mahler in China“, in: www.pwb101.me.uk [13.10.2021]
- Viktor Velek, Art. „Teplitz (deutsch für tschechisch Teplice)“, in: www.musiklexikon.ac.at [13.10.2021]
- ABCD
Zuletzt inhaltlich bearbeitet: 13.10.2021
Zitierlink: https://www.bruckner-online.at/ABLO_adc_xx5_bnb